Thibault zum Geburtstag


Gerard Thibault, Academie de L'Espée, 1630, Schaubild 1


16. Februar 2021, mein 27. Geburtstag, gegen 10 Uhr morgens, Deutsches Klingenmuseum Solingen (FB), Depot:



Klopf, klopf …


MM: “Herein”


SW:“Viel Glück und viel Segen, auf all deinen Wegen lalala”



Ein, trotz FFP2-Maske und ausgefallenem Rosenmontagsumzug, gut gelaunter Dr. Sixt Wetzler (Leiter des Deutschen Klingenmuseums) kommt herein und gratuliert mir zum Geburtstag. In seinen Händen ein riesiges Buch in einem dunklen Ledereinband. Meine Augen werden groß, die zuvor schlechte Laune verfliegt. Was er da vor mir auf den Tisch legt ist nichts anderes als DAS Buch:


Gerard Thibault, Academie de L’Espée, 1630


Ein echtes Original aus dem 17. Jahrhundert.


Nach ein paar Worten zur Handhabung alter Bücher darf ich diesen unvernünftig großen Folianten mit meinen eigenen Händen aufschlagen und sehr vorsichtig - aber nach Herzenslust - darin blättern. Wahnsinn! Die Qualität der Drucke überwältigt mich und auch mein Kumpel und Kollege Nicolai kann sich ein verzücktes Grinsen nicht verkneifen. Die Detailfülle ist unfassbar und weder hochauflösende Scans noch die Drucke in den verfügbaren englischen Übersetzungen werden der Qualität des Originals auch nur annähernd gerecht.


Ich lasse es mir nicht nehmen das Buch von vorne bis hinten durchzublättern. Etwa eine Stunde dauert es, bis wir uns durch die 430 Seiten gearbeitet haben. Natürlich müssen währenddessen immer wieder fechterische Fragen diskutiert werden.


Nach besagter, bewundernder Fachsimpelei blättere ich die letzte Seite um und klappe das Buch fast schon bedächtig zu. Ich stehe beinahe ein wenig neben mir und kann kaum glauben, dass man mir diese Erfahrung ermöglicht hat. Das war ein wirklich außergewöhnliches Geburtstagsgeschenk, das ich ganz sicher Zeit meines Lebens nicht vergessen werde. Meinen ewigen Dank, Sixt!


Umgeben von hunderten historischen Blankwaffen aus aller Welt und quer durch die Jahrhunderte lasse ich mich am Schreibtisch nieder und nehme Maßangaben von Schwertscheiden aus dem ehemaligen Persischen Reich entgegen. Im Rahmen eines Praktikums arbeiten Nicolai und ich an der Vermessung der Blankwaffen der Sammlung des Deutschen Klingenmuseums. Unter Anderem beherbergt diese beeindruckende Sammlung auch einige Rapiere aus dem 17. Jahrhundert. Dazu und zum Rest des Praktikums später mehr. Stay tuned!



#Thibaultfetzt